Am 5. Dezember 2025 machten wir, die Klasse 8A, die Reformation im Religionsunterricht auf besonders anschauliche Weise erfahrbar: In einem Rollenspiel zu Martin Luther brachten wir zentrale Ereignisse und Konflikte der Reformationszeit auf die Bühne. Statt historische Entwicklungen nur aus dem Schulbuch kennenzulernen, stellten wir sie kreativ dar, diskutierten sie gemeinsam und „spielten“ sie durch – und machten sie so im wahrsten Sinne des Wortes lebendig.
Ein Thema wird greifbar
In mehreren Gruppen bereiteten wir wichtige Szenen der Reformationsgeschichte vor und präsentierten sie vor der Klasse. Im Mittelpunkt stand unter anderem der Moment, in dem Martin Luther seine Kritik am Ablasshandel formuliert und die 95 Thesen thematisiert werden. Für uns war das Thema Reformation besonders anschaulich, da wir nicht nur Texte lernten, sondern eigenständig Rollen entwickelten, Argumente ausarbeiteten und sogar „Kostüme“ gestalteten. Dadurch wurde deutlich, wie sehr die Reformation von Fragen nach Macht, Geld, Angst, Glauben und dem Wunsch nach Veränderung geprägt war.
Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft im Konflikt
Ein zentrales Element unseres Rollenspiels war eine Art Podiumsdiskussion, in der unterschiedliche Interessen und Perspektiven aufeinandertrafen. Dargestellt wurden unter anderem Papst Leo X, der den Ablasshandel als notwendige Finanzierungsquelle – etwa für den Petersdom – verteidigte, Albrecht von Brandenburg, der als hoch verschuldeter Kirchenfürst in das kirchliche Finanzsystem verstrickt war, sowie die Fugger, die als mächtige Geldgeber wirtschaftlichen Einfluss demonstrierten. Ergänzt wurde unser Rollenensemble durch Johann Tetzel als Ablassprediger – und sogar durch die Figur des Ablassbriefes selbst, der als „Ware“ auftrat und seinen Wert anpries.
Einen besonders eindrucksvollen dramaturgischen Einstieg bildete die Szene rund um das berühmte Gewitter-Erlebnis, das Luther zur Entscheidung für das Klosterleben geführt haben soll – inklusive Geräuschkulisse und eindringlicher Darstellung. Auch die Perspektive der einfachen Bevölkerung kam zur Sprache: Die bäuerliche Gesellschaft trat als Stimme sozialer Gerechtigkeit auf und machte die Spannungen zwischen religiöser Reform und gesellschaftlicher Not sichtbar.
Lernen mit Wirkung
Das Projekt zeigte uns hervorragend, wie nachhaltig Lernen sein kann, wenn Geschichte nicht nur erklärt, sondern erlebt und reflektiert wird. Wir setzten uns intensiv mit Fragen auseinander wie:
Warum war der Ablasshandel so erfolgreich? Welche Rolle spielten Angst und Schuldgefühle? Was wollte Luther verändern? Und welche Auswirkungen hatte die Kirchenspaltung bis in die Gegenwart?
Auch wenn nicht alle von uns aktiv an der Aufführung beteiligt sein konnten, wurde eines deutlich: Das Rollenspiel war für unsere Klasse ein motivierendes und prägendes Erlebnis – und ein Beispiel dafür, wie Religionsunterricht historische Themen nicht nur vermittelt, sondern wirklich erfahrbar macht.
Julius Petzer (8A)
Stefan Höck, BSc – Lehrer für Katholische Religion
